Baugeschichte des Erzb. Ordinariates

 
1821 wurde das Erzbistum Freiburg errichtet, 1827 erhielt es mit Bernhard Boll seinen ersten Erzbischof. Die ersten Diensträume des Ordinariats befanden sich im Priesterseminar, dem heutigen Collegium Borromaeum. 1857 zog die Behörde in den St. Blasianer Hof in der Salzstraße, in dem sich heute das Freiburger Stadtarchiv befindet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein erneuter Umzug notwendig, da die Stadt den St. Blasianer Hof selbst nutzen und das Erzbistum ein repräsentativeres Verwaltungsgebäude haben wollte. Als Bauplatz erwarb das Erzbistum das Areal des ehemaligen Augustinerklosters von der Stadt und beauftragte 1901 den Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes, Raimund Jeblinger (1853-1937) mit der Planung und Bauleitung. Spatenstich war 1903.
 
Erzbischof Dr. Thomas Nörber (1846-1920) weihte das neue Gebäude am 25. November 1906 ein. Der Baustil lehnt sich eng an den Historismus und den Jugendstil an. Mit einer vollständigen Stromversorgung, einer Zentralheizung, einem Aktenaufzug und einer Telefonanlage war Gebäude zu seiner Zeit technisch hochmodern ausgestattet. Das Gebäude wurde mehrfach verändert. Kurz vor Kriegsende wurde es durch einen Bombentreffer schwer beschädigt und musste umfassend renoviert werden. Anfang der 1970er Jahre kam der Seitenflügel in der Herrenstraße dazu, in den 1980er Jahren der Anbau in der Konvikstraße. Von 1933 bis 2006 befand sich der Haupteingang in der Herrenstraße.

Das Treppenhaus

Zentraler Blickfang des Ordinariates ist das reich geschmückte Treppenhaus, das bis ins dritte Obergeschoss reicht. Dabei wird der Bau von unten nach oben immer heller und weiter. Ins Auge sticht vor allem die bunte und theologisch durchdachte Ikonographie des Freiburgers Franz Schilling (1879-1964). Während im unteren Teil keltisch anmutende Ornamente mit romanischen, byzantinischen und ägyptischen Einflüssen vorherrschen, ist der obere Teil mit einer Vielzahl von Figuren versehen. An der Aussenwand ist Jesus Christus als Weltenherrscher dargestellt, ihm gegenüber der Heilige Geist, Maria, Petrus und Paulus. Hinzu kommen die vier Evangelisten sowie die freie Künste (eigentlich sieben, der Maler erweiterte sie aber auf neun).

Der große Sitzungssaal

Im großen Sitzungssaal im Obergeschoss tagt einmal in der Woche die Kurienkonferenz (Erzbischof, Generalvikar, alle Hauptabteilungsleiter und der Offizial) – das Exekutivgremium der Erzdiözese. Auch dieser Raum ist reich ausgeschmückt und wird vom halbrunden Sitzungstisch mit seinen dreizehn Stühlen (12+1, analog zum Abendmahl) dominiert. Zwischen den beiden Eingangstüren befindet sich ein Kamin, der jedoch ohne Funktion ist. An den Wänden sind die sieben Sakramente und die vier Kardinaltugenden dargestellt, an der Decke die Wappen der Konstanzer Bischöfe von Gebhard I (gest. 875) bis Karl Theodor von Dalberg (Amtszeit 1799-1817). An den Wänden unterhalb der Decke finden sich die Wappen der Freiburger Erzbischöfe von Bernhard Boll bis zum amtierenden Erzbischof.

Thomas-Nörber-Saal

Thomas Nörber war der siebte Erzbischof von Freiburg und amtierte von 1898 bis 1920. In seiner Amtszeit wurde das Ordinariat errichtet, dessen Bau er selbst mit großem Engagement vorantrieb. Der nach ihm benannte Raum im Erdgeschoss an der Südostseite des Ordinariatsgebäudes zur Konviktstraße war zur „Aufbewahrung kirchlicher Altertümer“ vorgesehen und beherbergte zahlreiche hochrangige Werke der mittelalterlichen und barocken oberrheinischen Kunst. Der Raum wurde jedoch nie zu einer Art „Diözesanmuseum“ – 1932 fanden die Exponate im Augustinermuseum einen würdigen Platz und der Raum diente nach der Bombardierung Freiburgs am 27. November 1944 zuerst als Hauskapelle und ab 1954 als Lagerraum. Erst 2006 wurde er wieder leergeräumt und ist seitdem Besprechungsraum. Durch die Nutzungsänderung kommen auch der farbige Bilderreichtum – ähnlich dem Treppenhaus - mit Christus, Maria, Engeln, dem Evangelisten Lukas und einem ganzen Universum an Fabelwesen an der Decke besser zum Ausdruck.

  
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Der Kunstführer "Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg" von Christoph Schmider ist an der Pforte des Erzbischöflichen Ordinariats erhältlich (Schoferstraße 2, 79098 Freiburg). Er gibt Einblicke in die Baugeschichte, beschreibt in Wort und Bild Gebäude und Ausstattung und ordnet Architektur und künstlerische Ausstattung stilistisch ein.